Nevada Tan – Panic im Interview
16. Dezember, 2007 by Nicola Beckers
Wer bei Nevada Tan an Sonnenbräune und Amerika-Urlaub denkt, liegt völlig falsch. Bei Nevada Tan handelt es sich um einen Mordfall an einer Grundschule in Nagasaki. Im Juni 2004 schlitzt ein elfjähriges Mädchen ihrer Schulkameradin mit einem Teppichmesser die Kehle auf. Der Name Nevada Tan rührt von der Gerichtsverhandlung her, bei der die Mörderin ein Sweatshirt mit der Aufschrift ‘Nevada’ trägt. Das Tan ist im japanischen die ehrerbietende Anrede eines Kindes. Ausgerechnet von diesem Vorfall leitet eine deutsche Band ihren Namen ab. Aber sie identifiziert sich nicht mit der Tat, sondern mit dem Thema. Ihre Songtexte sollen aufrütteln, die Leute zum Nachdenken bringen. Das Debütalbum „Niemand Hört Dich“ von NEVADA TAN wurde am 20.04.2007 veröffentlicht und enterte die deutschen Album-Charts sensationell auf Platz 8! Ich hatte vor ihrem Konzert am 16.12.2007 im Münchener Backstage Club die Gelegenheit, mit Sänger Frank (Franky) Ziegler und dem DJ Jan Werner zu sprechen.
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Derzeit seid ihr auf eurer ersten großen Tour mit 11 Konzerten in Deutschland und Europa. Wie fühlt ihr euch dabei?
Frank: Wenn man so lange gemeinsam im Tourbus unterwegs ist, fühlt man sich wie eine große Familie. Wir waren alle total traurig, als einige von uns krank wurden und wir die Tour unterbrechen mussten. Wir sind froh, dass wir nun wieder unterwegs sind. In den letzten Tagen waren wir in Paris, Strasbourg und sogar in Moskau. Es gibt für uns Musiker nichts Besseres.
Wie seid ihr auf die Idee gekommen, Rock, Rap und Hip Hop miteinander zu verbinden?
Frank: David (Gitarre, Piano, Gesang) ist eher der Rocker, der auf Linkin Park steht und Timo (Gesang, Rap, Gitarre) hört seit jeher alles aus der Hamburger Hip Hop-Fraktion. Die beiden kennen sich seit dem Kindergarten und sind beste Freunde. Daher kam es, dass einer den anderen etwas mehr zu seiner Musik gezogen hat. Wir haben eigentlich alle Sechs einen anderen Musikgeschmack, treffen uns aber auf einem Punkt – und das ist Nevada Tan.
In euren Texten geht es überwiegend um Probleme von Jugendlichen, Mobbing und Gewalt an Schulen. Welche Message wollt ihr den Leuten mitgeben?
Frank: Wenn etwas an der Schule passiert, sollte man auf keinen Fall wegsehen, sondern eingreifen. Meistens sind es nur Wenige in der Klasse, die so richtig hart drauf sind, die schlagen oder mobben und sich dafür Schwächere aussuchen. Würde der Rest der Klasse nicht wegsehen, wäre das einfach die viel geilere Entwicklung. Um zu zeigen, dass wir es schrecklich finden, wenn Leute wegen ihrer Herkunft oder ihren sozialen Verhältnissen gemobbt werden , haben wir beim „Schau nicht weg“-Festival vom Musiksender Viva mitgemacht. Die Schere zwischen Hauptschülern, Realschülern und Gymnasium geht immer weiter auseinander. Wir wollen darauf aufmerksam machen, dass es so nicht weitergehen kann.
Wie geht ihr damit um, wenn euch weibliche Fans ihre Liebe gestehen und meinen, ohne euch nicht mehr leben zu können?
Jan: Das ist schon schmeichelhaft, aber oft weiß man nicht, was man darauf antworten soll. Wir haben fast alle schon Emails bekommen, wo Mädchen mit Selbstmord gedroht haben. Damit muss man einfach verantwortungsvoll umgehen.
Jan, du hast anfangs bei Auftritten eine Maske getragen, weil du privat ein „ganz normales Leben“ führen wolltest. Jetzt ist die Maske weg: Warum? Hat sich dein Leben dadurch geändert?
Jan: Zeitweise trage ich die Maske noch. Es geht einfach darum, zu zeigen, dass die Musik im Vordergrund stehen soll. Unser Video zu „So wie Du“ haben wir auch so gedreht, dass einfach nur unsere Körper zu sehen waren, um zu testen, ob es den Leuten um unsere Musik geht oder ob sie einfach nur ein paar nette Typen wollen. Seit mich ein Paparazzi ohne Maske erwischt hat, setze ich sie bei Konzerten auch ab, schon deshalb, weil es nach einer Weile darunter ganz schön heiß wird. Mein Leben hat sich dadurch eigentlich nicht verändert, vielleicht war ich mit Maske sogar ein wenig interessanter für die Fans, was ich aber gar nicht bezwecken wollte.
Heute ist das vorletzte Konzert. Was hat euch während dieser Tour am meisten beeindruckt?
Frank: Vor drei Tagen haben wir ein Schulkonzert gespielt. Beim Contest eines Radiosenders haben Schuldirektoren unsere Lieder gesungen. Die Gewinnerin hat dann mit uns gemeinsam auf der Bühne unseren Song „Vorbei“ performt. Das war sehr geil. Aber auch die Konzerte im Ausland waren eine schöne Erfahrung. In Moskau haben wir vor 2000 Leuten gespielt, das war sehr beeindruckend.
Ihr tretet am 14.02.08 bei Stefan Raabs Bundesvisison Song Contest für Schleswig-Holstein an. Unter anderem nehmen auch die Sportfreunde Stiller, Rapsoul und Peilomat teil. Große Konkurrenz, aber auch eine große Chance. Freut ihr euch auf diesem Auftritt?
Frank: Das ist auf jeden Fall das Highlight 2008 für uns. Da sehen 2 Millionen Leute zu und viele davon werden uns kennen. Wir setzen gerade alles daran, den richtigen Song dafür zu finden und überlegen, wie die Show ablaufen soll. Wir haben den Pyrotechniker von Rammstein und wir lassen es auf jeden Fall so krachen, dass sich die Leute an uns erinnern.
Was habt ihr nach der Tour geplant? Weihnachten mit der Familie oder Ski-Urlaub?
Jan: Bis zum 22. werden wir noch ein bisschen Musik machen, ins Studio gehen und Songwriten. Aber spätestens ab dem 23. gehts nach Hause, dann sind Familie und Freunde angesagt. Wir haben das großartige Glück, dass ein Teil unseres Managements aus Hindelang kommt, da werden sicher einige von uns zwischen Weihnachten und Silvester zum Snowboarden gehen. Ab dem 2./3. Januar gehts dann wieder los.
Ihr habt aus eurem ersten Album „Niemand hört dich“ einige Singles ausgekoppelt. Was wird es als Nächstes geben? Habt ihr schon Material für ein neues Album?
Frank: Wir planen, zwischen März und April ein neues Album auf den Markt zu bringen.Wir freuen uns super auf den Festivalsommer und wieder auf Tour zu gehen, wahrscheinlich Ende 2008 mit 2 Alben, noch größerer Show und längerer Spielzeit.
Was wünscht ihr euch für die Zukunft?
Frank: Das wir noch lange, lange gemeinsam Musik machen. Wir sind nicht nur 6 Arbeitskollegen, sondern auch 6 Freunde. Wir wünschen uns einfach, dass wir so weitermachen können, dass den Leuten unsere Musik gefällt und wir viel live spielen können.
Vielen Dank für das nette Gespräch!

